Gerd Blank arbeitet im Internet für das Online-Magazin des STERN und twittert in dieser Funktion. In der vergangenen Woche ging er mit Twitterern, die sich salopp mit den Ereignissen in Winnenden befassten, hart ins Gericht. Dafür wurde er an einigen Stellen kritisiert. Heute nahm er sich dankenswerter Weise kurz Zeit für unsere Fragen. Einige Twittereinträge wurden sinnerhaltend zur besseren Lesbarkeit verändert.

Twinterview.de: Guten Tag, Herr Blank! Sie haben einen provokanten Artikel verfasst, der auch respektloses Twittern abkanzelte. Dafür (...) Twinterview.de: wurden Sie im Internet harsch in die Kritik genommen. Würden Sie Ihren Artikel so noch einmal veröffentlichen? Gerd Blank: Wenn ich keine Kritk aushalten könnte, wäre ich nicht im richtigen Job. Wenn ich - wie jetzt - direkt darauf angesprochen ... Gerd Blank: ... werde, kann auch eine Diskussion darüber entstehen. Denn das ist meines Erachtens das neue Internet. Kommunikation. ... Gerd Blank: Um die Frage zu beantworten: Wahrscheinlich ja.

Twinterview.de: Das heißt, Ihnen sind im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Tage, die respektlosen Äußerungen von Twitterern ... Twinterview.de: irritierender erschienen als die Berichterstattung und das Drumrum seitens der Journalisten? Gerd Blank: Nein, aber darum ging es auch nicht. Wenn "Journalisten" ungeprügt irgendwo abschreiben, ist das nicht mein Verständnis (...) Gerd Blank: von guter Arbeitsauffassung. Allerdings bemängelte ich, dass ein Dienst, den ich sehr schätze - schließlich nutze ich (...) Gerd Blank: ihn auch - plötzlich zum versenden von unkontrollierten Meldungen benutzt wird. Was haben Links zur Adresse der Eltern (...) Gerd Blank: oder anderer Crap dort zu suchen? Es gibt Millionen Twitterer, die den Service mit Leben füllen. Aber man quatscht halt (...) Gerd Blank: nicht mehr privat.

Twinterview.de: Polizei, die Zeitung mit den 4 großen Buchstaben & ausländ. Presse waren da ebenso 'offen'. Erwarten Sie von Twitterern mehr? Gerd Blank: Schwer zu sagen. Wie soll ein offener Dienst, der jetzt von allen Seiten gehyped wird, irgendwelche Erwartungen erfüllen(...) Gerd Blank: Die Nutzer schreiben halt, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Nur gut finden muss ich das ja nicht. Schlimm wird es, (...) Gerd Blank: wenn meine Kollegen so agieren, wie sie es teilweise getan haben. Twitter ist cool, ich mag es gerne hier. Aber wenn (...) Gerd Blank: plötzlich "offizieller bullshit" hier geschrieben wird, schreibe ich bald wieder mehr Briefe. Twinterview.de: Haben Sie die Reaktionen im Internet an irgendeiner Stelle überrascht? Jemand, der das Wort 'Pöbel' verwendet, weiss (...) Twinterview.de: doch, dass er polarisiert. Gerd Blank: Nö, natürlich hat mich das nicht überrascht. Mich hat viel mehr überrascht, dass man aus meinem Text herausgelesen hat, dass Gerd Blank: ich vermeintlich alle Twitterer damit gemeint hätte. Aber gut, mein Fehler. Als Pöbel bezeichne ich die Leute, die gute Gerd Blank: Dienste für miese Zwecke nutzen. Kollegen übrigens nicht ausgenommen.

Twinterview.de: Der DJV hat Journalisten gerügt, sie sollen derartige Ereignisse nicht zum Anlass nehmen, bspw. über sich selbst zu berichten. Twinterview.de: Würden Sie diese Kritik auf Ihrem so zeitnah am Geschehen veröffentlichten Artikel beziehen lassen? Gerd Blank: Gut so. Wir sollten uns nicht zum Objekt der Nachricht machen. Deshalb habe ich auch ein wenig Bauchweh mit diesem Interview. Gerd Blank: Natürlich darf man meinen Artikel kritisieren. Aber bitte: Nicht alles in einen Topf werfen. Twinterview.de: Glauben Sie, Twitterer oder Journalisten werden sich nach diesem Vorfall bedachter verhalten? Gerd Blank: Hm. Soll ich ehrlich sein? Ich glaube, es wird schlimmer. Twinterview.de: Vielen Dank für Ihre Stellungnahme, Herr Blank! Gerd Blank: Gern


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