twinterviewde: @spreeblick Guten Morgen! Wie geht’s und wo trifft man dich gerade?
spreeblick: Ich sitze in einem ICE, der derzeit nur 20 Minuten Verspätung hat. :)
twinterviewde: Dann mal fix in medias res: Das Setzen eines Themas hat im Web 2.0 oft etwas mit Wellen des Publikums zu tun, entweder einer Euphoriewelle (wie bei “…und alle so yeaahh!” = uasy ) oder einer negativen Welle (wie bei der Vodafone-Kampagne), die dem Verfasser entgegenkommt. Ist schon klar, was das eine, was das andere herbeiführt?
spreeblick: Ich denke, dass sich Spaß-Geschichten eher zum Hype eignen, finde das alles aber zum Glück schwer planbar. Viele Menschen spüren, ob etwas mit Gewalt ein Hype werden soll (schlecht) oder zufällig einer wird (gut).

elektrotanja: @spreeblick
Na, die Frage ist, ob du gute von schlechten Witzen unterscheiden kannst.
spreeblick: @elektrotanja Anstelle der Merkel-PR meinst du? Ja. Stimmt. Aber wenn es so viele verstanden haben? Könnten die doch auch!
twinterviewde: Wobei #uasy auch damit spielt, einen politischen Touch zu haben. War das dennoch nur Spaß?
spreeblick: Es hat Spaß gemacht, das schließt Anspruch aber nicht aus. uasy hätte mit niemandem außer Merkel funktioniert. Es ging um sie. Merkel hätte den Online-Hype ihres Lebens erlebt, hätte sie am Ende der Rede selbst 1mal Yeaahh gerufen.
logodaedalist: RT @spreeblick Merkel hätte den Online-Hype ihres Lebens erlebt, hätte sie am Ende der Rede selbst 1mal Yeaahh gerufen #lol twinterviewde: Immerhin kam “Auch wir von der CDU haben Fehler gemacht…” – “Yeaahh!”
spreeblick: Ja, der war super. :)

twinterviewde: SPON hat ja auch etwas verschnupft auf #uasy reagiert. Weswegen ist so ein Spaß heute noch so irritierend?
spreeblick: (…) Was SpOn angeht: Ich glaube, da hatte jemand nicht so richtig Bock auf’s Thema. Nicht so ernst nehmen, den Text. :)
twinterviewde: Die CDU bekommt öfter als andere Parteien im Web2.0 einen drüber. Müssen sich Konservative stärker an die Umgangsformen im Netz gewöhnen?
spreeblick: Also ich finde, dass die Piraten auch ziemlich oft einen drüber kriegen. Aber anders halt. ;)
spreeblick: Natürlich trifft es Konservative in modernen Medien immer am dollsten. Und: Je größer die Macht, desto lautet der Spott.
twinterviewde: Was, denkst du, wird aus der Welle, die die Piratenpartei derzeit trägt?
spreeblick: Ich glaube, es wird nach der Wahl eine ernüchternde, aber gesunde Normalisierung eintreten. Dann kann gearbeitet werden. :)
twinterviewde: Frank Schirrmacher hat in der FAS gemeint, man müsse in Zukunft die Nerds besser auf dem Schirm haben. Muss man?
spreeblick: Schirrmacher überrascht mit dem Artikel tatsächlich, das ist ihm seit Jahren nicht mehr gelungen. Nerds bei der FAS. Nunja.
twinterviewde: Mit Julia Seeliger ist bei der taz wieder eine Person im Printgeschäft untergekommen, die vor allem Erfahrungen mit Blogs vorweist. Drücken die Blogger dem Printgeschäft langsam ihren Stempel auf?
spreeblick: Autoren müssen ja teilweise noch beim Print bleiben. Mein Ziel ist das nicht. Ich möchte ein ertragreiches spreeblick.com. :)

twinterviewde: Heisst das, Spreeblick konzentriert sich künftig mehr auf ein bestimmtes Thema oder eine Personengruppe?
spreeblick: Nee, das heißt nur, dass ich nicht taz- oder FAZ-Autor werden will. :) Ich ziehe das Online-Schreiben dem Print vor. Sehr.
twinterviewde: Weil das Feedback direkter ist, die Gestaltungsfreiheit größer oder weil du dein eigener Chef bist?
spreeblick: Alles das zusammen, wobei letzteres nicht direkt damit zusammenhängt, es gibt ja auch kleine Print-Projekte. Arbeit im Web bedeutet also nicht gleich Unabhängigkeit. Aber ich funktioniere sowieso nicht in Konzern-Strukturen. Bei mir geht’s also nicht anders: Ich muss selbständig arbeiten.

twinterviewde: Um nochmal auf die Hypes zurück zu kommen. Du hast gesagt, diese seien akzeptabler, wenn die Leute meinen, er sei spontan entstanden. Bedeutet das das Aus für Bemühungen wie der von Vodafone, selbst (brechnend) Hypes zu starten? Oder ist sowas künftig …
spreeblick: Naja, so spontan wie eine öffentliche Ankündigung in einem weltweiten Computernetz es zulässt. ;)
twinterviewde: …eine Kampfstädte im Internet?
spreeblick: Aufmerksamkeit war/ ist umkämpft/ wird es bleiben. Aber sowas wie uasy kann man kaum planen. Zu schnell. Zu absurd. Zu gut.
twinterviewde: Ganz, ganz herzlichen Dank für das Interview und noch eine schöne Zugfahrt!
spreeblick: Danke ebenso für das Interview! Die Zugfahrt ist gleich vorbei, hoffe ich. :)

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